Walk Off Win! Roosters vs Rangers 11 – 10

Samstag, 17. August 2013

Robin “The Boom“ Schwertfeger #28 schlägt beim Rückstand von 9 – 10 einen 2 RBI Walk Off Hit und knallt den Siegesdeckel zu.

Liebe Kinder, heute möchte ich euch eine Geschichte erzählen die sich erst vor kurzer Zeit abgespielt hat. Ihr habt sicher schon von den Roosters gehört, diese Bande unerschrockener Neuköllner Kulturbanausen, die völlig verrückt nach Baseball ist. Nun, sie waren für sehr kurze Zeit wahre Superhelden und sind vielleicht dafür verantwortlich, dass ich heute hier sitze und ihre Geschichte erzählen kann. Die Welt ist ein verrückter Ort, das habt ihr Kinder sicherlich schon gemerkt und ihr fragt euch bestimmt: wo ist Gott eigentlich? Was macht er den ganzen Tag? Liebt er uns wirklich? Man hat euch bisher immer getröstet und je nach dem was eure Eltern über Gott wissen, habt ihr verschiedene Dinge zu hören bekommen, die ihr nicht wirklich verstanden habt. Vielleicht wird diese Geschichte etwas Licht ins Dunkle bringen.

An diesem Samstag war es wieder sehr warm, ein schwüler bedeckter Samstag. Die Roosters standen an diesem Tag verkatert auf, entweder vom Alkohol oder von Schlaflosigkeit. Seit einiger Zeit spielten die Roosters jedes Wochenende. Das Hinspiel gegen die Rangers in Kreuzberg war ziemlich glatt verlaufen kann man im Nachhinein sagen. Für das Rückspiel gab es eigentlich nur ein Problem, die Heimschwäche der Roosters. Von vier Heimspielen hatten sie drei verloren, alle Auswärtsspiele hatten sie dagegen gewonnen.

Ahnungslos gingen die Jungen zum Platz und wussten gar nicht, dass sie an diesem Nachmittag über das Schicksal der Menschheit entscheiden würden. Als die Roosters anfingen sich warm zu machen und sich für das Spiel vorzubereiten, spielte sich bei Gott zuhause etwas erstaunliches ab. Zu diesem Zeitpunkt war er noch auf der Erde in seiner Dachgeschosswohnung in Prenzlauer Berg. Er stand gegen 12 Uhr mittags auf, völlig benebelt und mit Kopfschmerzen, es ging ihm dreckig. Der Alkohol war der einzige Grund, warum er noch Erbarmen mit uns Menschen hatte. Dieses Gelaber in den Kirchen, dass Gott jedem verzeiht und jeden liebt, das ging nur weil er immer besoffen war! An diesem Tag war er sehr schlecht drauf und so aus dem Bauch heraus entschied er, dass es heute zu Ende gehen würde, heute würde er die Menschen auslöschen, es war ihm egal ob sie gut oder böse waren, sie machten ihm einfach zuviel Arbeit, er wollte sich den anderen vielversprechenden Planeten widmen, die ausserhalb unseres Sonnensystems lagen. Er dachte an seinen Sohn. Ihm müsste er die Nachricht noch überbringen. Er schauderte bei dem Gedanken. Er war ein aufgedrehter Racheengel, der brutale Computerspiele zockte.

Ich möchte an dieser Stelle die Details der Unterredung zwischen Vater und Sohn nicht wiedergeben, nur soviel: Peter – so hieß der Racheengel – setzte sich für die Menschen ein. Er meinte, dass sie noch zu etwas taugten. Sie stritten sich heftig und Gott wurde immer zorniger über seinen respektlosen Sohn. Peter war nicht auf den Kopf gefallen. Er spürte, dass nicht Streit die Lösung bringen würde, also schlug er seinem Vater einen Deal vor. Er sagte: „Heute spielen die Roosters gegen die Rangers in Neukölln. Wenn sie gewinnen, bleiben die Menschen am Leben. Wenn sie verlieren, kannst du sie auslöschen.“ Gott überlegte kurz, er hatte auch schon von diesem verrückten Haufen gehört, ganz besonders einer von ihnen war ihm noch im Gedächtnis, er hatte ihn vor nicht allzu langer Zeit als H****sohn bezeichnet. Er willigte ein, notfalls würde er einfach ein bisschen nachhelfen, schließlich war er doch der Gott!

Sie nahmen beide auf der Couch platz und schauten sich an wie die Landesliga Profis sich aufwärmten. Gott kicherte in seinen Bart hinein als er das sah. Peter blieb ruhig und ließ sich seine Nervosität nicht anmerken. Robert Bauer #21 war an diesem Tag der Starting Pitcher, Lukasz Bucki #79 sein Catcher. Die Rangers waren gut aufgelegt und attackierten von Anfang an. Am Ende des zweiten Innings stand es bereits 1-7 aus Roosters Sicht. Booya! rief Gott und gab Peter ein paar harte Knuffis in die Schulter. Peter murrte und schaute weiter. Eine Niederlage mitten im Kampf um den Aufstieg war eigentlich ausgeschlossen. So kämpften sich die Roosters gegen einen langsamen Pitcher auf 5-8 heran. Robert Bauer wurde ausgewechselt und Florida Boy #7 übernahm. Du wirst schon sehen was die Jungs drauf haben, brummte Peter zwischen den Zähnen. Der Siegeswille war den Blauhosen jedoch nicht wirklich abzulesen, so ließ das Dugout schon die Köpfe hängen beim Anblick von Unkonzentriertheiten und mentalen Fehlern. Wie sooft hatte man das Gefühl, dass sich die Roosters selbst im Weg standen. Gott war siegessicher, er überlegte schon wie er die Menschen umbringen würde, durch einen Meteoriten, der einen riesigen Tsunami auslöst? Oder sollte er sie zum Atomkrieg anstacheln? Oder sollte er einfach das Licht aus- und die Tür zumachen? Egal wie, aus menschlicher Sicht war alles grausam. Das Spiel zog sich bis ins sechste Inning und immer noch schafften es die kleinen Roosters nicht ein deutliches Zeichen zu setzen. Jedes Mal wenn sie ein paar Punkte in der Offensive kassierten, machten sie alle Anstrengungen durch Fehler in der Defensive wieder zunichte und ließen die Führung der Rangers wieder ansteigen. Es war sehr frustrierend.

Peter dachte er müsse langsam eingreifen. Gott machte sich derweil ein kaltes Bier auf. Noch nie hatte ihm das Bier so gut geschmeckt. Die Sonne ging unter und das Spiel neigte sich dem Ende zu. Am Anfang des siebenten und letzten Innings stand es 7-10. Die Roosters mussten unbedingt 4 Runs einfahren, sonst war das Spiel aus. Es juckte Peter in den Fingerspitzen, plötzlich hustete er absichtlich laut und schoß gleichzeitig einen blauen Blitz aus seinem Zeigefinger, schnell und lautlos zischte der Blitz durch die Couchkissen, über den Teppich, die Aussenmauer hoch auf das Dach und entlud sich in hohem Bogen über den glühend roten Berliner Sommerhimmel, knisternd breitete sich die Energie wie eine Kuppel aus, es entstand ein fürchterlich langer Moment der Ruhe. Peter schwitzte, langsam drehte sich Gott zu ihm und musterte ihn streng, er hatte etwas gespürt, sollte sein Sohn etwa schummeln? Peter staarte angespannt auf den 80 Zoll Widescreen. Eine Schweißperle lief schnell über Peters Schläfe, Gott beobachtete ihn immer noch scharf von der Seite. Wenn er es jetzt bemerkte würde er nicht nur die Menschen auslöschen sondern ihn wahrscheinlich auch noch. Langsam griff Gott zu seinem Bier ohne den Blick von ihm abzuwenden, trank einen Schluck mit geneigtem Kopf, verfolgte Peters Schweißperlen mit den Augen und drehte den Kopf endlich zurück indem er gleichzeitig die Flasche absetzte. Er würde so oder so gewinnen, dachte er sich, wenn er wirklich schummelt, dann schicke ich ihn zum Teufel. Peter atmete wieder. Über der Dachgeschosswohnung war der Himmel mittlerweile blau geworden, da zuckte Peter wieder einmal mit dem Zeigefinger und die blaue Kuppel verwandelte sich in einen riesigen Pfeil, der direkt in das Roosters Dugout schoss, niemand bemerkte den Einschlag, die Roosters auf der Bank aber standen plötzlich auf und kratzten sich am Kopf und hebten Gegenstände vom Boden auf, sie begannen damit auf alles einzuschlagen was Krach machte, sie fingen an zu brüllen und sich gegenseitig anzufeuern. Peter feuerte sie innerlich an. Kommt schon, rettet die verdammten Menschen ihr Verrückten! Die Roosters gingen mit roten Augen an den Schlag und fixierten den müden Pitcher. Ihre Körpersprache änderte sich schlagartig, das Dugout im Rücken, das blaue Blut in den Adern, die Keulen schwangen wie von selbst, als hätten die Roosters plötzlich doppelt so viel Kraft. Es geschah was geschehen musste. Ein paar Bälle flogen über und zwischen die Infielder, ein paar Roosters rannten nach hause und es stand 9-10. Gott richtete sich langsam auf. 9-10? Peter du verdammter H****sohn, dachte Gott als er in das aufgehellte Gesicht seines Sohnes sah. Was sollte er machen, gleich war es vorbei und er würde die Menschen nicht auslöschen können! Er wurde sauer, Peter hatte geschummelt, er raste vor Wut, was sollte er mit ihm machen? Er haute auf den Tisch, so dass die Flaschen klirrten und sagte seinem Sohn: „Wenn du die Menschen so sehr liebst, dann werde doch einer von ihnen!“ rief er laut und bildete mit seiner Faust einen riesigen blauen Feuerball, der Peter hochhob und in einem geraden Strahl direkt nach Neukölln auf den Platz an die Homeplate katapultierte. Der Zufall wollte es, dass Robin Schwertfeger nach langer Verletzungspause gerade als Pinch Hitter eingesetzt wurde. Auf dem Weg zur Homeplate wurde er wie vom Blitz getroffen, die Energie ging kurz durch seinen ganzen Körper und plötzlich fühlte er sich wie neugeboren, er fühlte sich göttlich will ich fast sagen. Er klatschte sich mit der flachen Hand zweimal auf den Oberschenkel und sagte dem Pitcher innerlich. Ok du ******** bring ihn rein, komm schon du ******** bring ihn rüber. PAK machte es und der Pitcher schmiss die Mütze in den Sand, der Ball ging in flachem Bogen ins Outfield und hinein gesegelt kamen gleich zwei Roosters, einer für den Ausgleich und einer für den Sieg, WALK OFF HIT!!! Das Wunder geschah, Peter hatte die Menschen gerettet, nein die Roosters hatten die Menschen gerettet! Gott war so sauer, dass er sofort in seinen Privatjet stieg und seinen Sohn und die Menschen verließ. Peter tanzte und feierte mit den Roosters, es war der schönste Tag seines Lebens, er beschloss Baseball zu spielen, er wollte ein richtiger sterblicher Mensch werden, das machte so viel mehr Spaß als im Himmel bis in alle Ewigkeit Computer zu spielen.

So liebe Kinder, nun kennt ihr die Wahrheit über Gott, der uns verließ und über die Roosters, die jetzt unsere einzige Hoffnung sind, und jetzt geht raus und spielt Baseball. Wir haben noch eine Menge Arbeit vor uns.

Colin #55