Blauer Hahn besiegt schwarzen Drachen 8-4

Sonntag, 28. Juli 2013

Nachdem das Heimspiel gegen die Spandauer Dragons wegen starker Regenfälle in Gropiusstadt kurz vor dem First Pitch abgesagt wurde, war das Nachholspiel als Heimspiel in Spandau angesetzt. Klingt komisch, ist aber so. Es ist erfreulich zu sehen wie ein Ballpark langsam ausgebaut wird. Die Dragons haben schon einen zementieren Dugout für ihre Heimmannschaft angelegt, den wir an diesem Tag besetzen durften. Was noch fehlt sind die Dächer.

Singend und lachend rollte an diesem sonnigen Mittag ein Zug rotnäckiger Blauhosen nach Spandau, im Gepäck Drachenklingen aus der mörderischen Glut ihrer Neuköllner Heimat Mordors gegossen und geschmiedet. Die Wasserträger stöhnten und fluchten. An diesem Sonntag war das Wetter unbarmherzig, eine Hölle auf Erden, womit hatten wir das verdient, wir strebsamen und fleißigen Spartaner? Der Sonnengott schoss Glutpfeile auf die Erde hinab, jede verdammte Bewegung fühlte sich bleiernd an, eine elendige Aufgabe, es roch nach verbrannter Erde, wer in den Genuss kam von Pippi Langstrumpf einen Eimer Wasser über den Kopf geschüttet zu bekommen, der zog neidische Blicke auf sich. Was viele nicht wussten, Spiderman war in dieser Nacht durch einen heimtückischen Hinterhalt ums Leben gekommen. War dies ein schlechtes Vorzeichen auf die Dinge die da kommen sollten?

Ein paar hartnäckige Fans und Zuschauer kamen lieber an den brennenden Platz anstatt in kühlen Berliner Seen zu planschen. Sie hatten die dumpfe, unbehagliche Ruhe vor dem Sturm gespürt, eine dunkle Macht hatte sie nach Spandau gelockt, die grauen Weisen hatten die Zeichen in den Sternen gelesen, eine große Schlacht kündigte sich an, das hatten die alten Geier gesagt, bevor sie sich lachend in den brennenden Schlund stürzten.

Die Aufstellung war nicht von schlechten Eltern. Gegen diesen mächtigen Gegner war die Föderation entschlossen alles was Arme, Beine und ein wenig Grips hatte in die goldene Waagschale zu werfen. Die Battery stand für Sicherheit und Stolz in Gestalt der kampferprobten Veteranen Pitcher Lutz “Psycho“ Müller und Catcher Lukas “Stirb an einem anderen Tag“ Bucki, unsere Patriot Raketen von Neukölln.

Das Fußvolk am Waldesrand sah einen durchwachsenen Beginn mit guten Defensivleistungen auf beiden Seiten. Man beschnupperte sich und ließ die Keulen ein wenig knallen. Wahrscheinlich wollte man auch die Leistungsfähigkeit am Fuße des Vulkans austesten. Lange stand es 1-2 aus der Sicht der Roosters. Das große Offensiv Feuerwerk wurde nicht gezündet, was die Dragons dazu veranlasste ihre knappe Führung auf 1-4 auszubauen. Ein ernster Vorstoß, doch vielleicht ein wenig zu früh. Zunächst machte sich im Roosters Dugout Missmut über diesen Brückenkopf breit, im vierten Inning zurück zu liegen, das kannte man noch nicht. Ein paar Scharmützel mit einem Umpire (Schiedsrichter) machte die Sache nicht einfacher, von der schweren Hitze ganz abgesehen.

Die Roosters sind aber bekannt für ihre Kämpferherzen und ihre gnadenlose Unterstützung von der Bank. Ein paar Spielerwechsel wurden von Trainer Frank Barsnick veranlasst und mit Rückenwind ging es in der zweiten Hälfte des vierten Innings an den Schlag. Der blaue Hahn krähte kurz und rief dem Drachen entschlossen zu: „Jetzt pass mal auf du Vogel!“ Irgendjemand von der Luftkavallerie blies in der Ferne ein zerbeultes Horn. Rotoren flapperten am Horizont. Der Funk meldete: „Keep your heads down, it‘s gonna be a big one!“ Die Bank johlte, Endzeitstimmung und die Keulen schwingten als gäbe es kein Morgen. Wie Granaten schlugen die Bälle in den trockenen Boden ein. Der Brückenkopf wurde überrannt und die Blauhosen stürmten tief in die Drachenhöhle hinein. Die Drachen kämpften tapfer und schweigsam, den Bann konnten sie aber nicht mehr brechen, zu entschlossen waren die Bogenschützen, zu ausdauernd unsere Battery, zu unbarmherzig ihre Götter.

Als es dann nach zweieinhalb Stunden 8-4 für die erschöpften Roosters stand, sanken die Waffen zu Boden, es war endlich vorbei. Helme flogen in den Himmel, Uniformen wurden vom Leibe gerissen, nackte Frauen stürzten sich in die Arme der Helden, der blaue Hahn tanzte auf dem heiligen Erdhügel, ehrte seine Gegner und huldigte seinen starken Mannen. Eine Schlacht ist gewonnen, doch das Abenteuer ist noch nicht vorbei.

Colin 55